BAUR-Mitarbeiterin engagiert sich ehrenamtlich für Flüchtlinge

John F. Kennedy sagte einst in seiner Amtsantrittsrede: „Ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country.“ (Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.) Das ist ein zentraler Satz für Ulla. Er ist – im weitesten Sinn – fast schon zu ihrem Lebensmotto geworden: Nicht meckern, sondern anpacken. Ulla arbeitet als Kreativtexterin im Bereich Kommunikation der BAUR-Gruppe und ist eine von vielen hier bei BAUR, die sich in ihrer Freizeit sozial engagieren. Sie gibt Asylbewerbern in Altenkunstadt regelmäßig Deutschunterricht und hatte heute nicht nur eine Stunde für ihre Schützlinge übrig, sondern auch für meine Fragen.

Ulla, wie kommt man dazu, seine Freizeit zu verschenken?

UllaIch bin damals über einen Aufruf in der Tageszeitung zu den „Aktiven Bürgern“ gekommen. Diese Freiwilligenorganisation fördert bürgerschaftliches Engagement. Wobei es nicht nur um die Arbeit mit Migranten geht. In der „Engagement-Datenbank“ sind jede Menge freier Stellen aufgelistet. Ob Arbeit mit Menschen mit Behinderung, mit Migranten oder älteren Menschen, ob Schülerbetreuung oder Fahrdienst für die Tafel – hier findet jeder ein interessantes Betätigungsfeld. Auf freiwilliger Basis und unbezahlt, versteht sich.

Ich war für solche Aktionen schon immer offen. Und seit ich selbst einmal für längere Zeit in Kairo gelebt habe, weiß ich, was es bedeutet, kaum ein Wort zu verstehen und wie schwer Integration sein kann. Man muss für ehrenamtliche Tätigkeit – denk ich – generell Menschen mögen, auch schwierigere Menschen, den nötigen Sinn für soziale Gerechtigkeit besitzen und vermutlich auch etwas am Helfersyndrom leiden. 😉

Seit wann arbeitest du nun schon mit den Asylbewerbern zusammen? Und was sind die größten Herausforderungen?

Seit Anfang 2016 gebe ich einmal pro Woche Sprachunterricht für Asylbewerber in Altenkunstadt. Die größte Herausforderung stellt tatsächlich die Sprache dar. Das Problem, dass in einem Kurs Analphabeten neben Ingenieuren sitzen, führt das ein oder andere Mal zur Frustration der Teilnehmer. Während die einen maßlos überfordert sind, denn Deutsch ist wirklich eine schwierige Sprache, langweilen sich die anderen bereits. Die Kunst besteht für uns darin, die Kurse für alle Mitglieder individuell fordernd und fördernd zu gestalten. Und immer die Motivation und den Spaß für alle im Auge zu behalten.

Neben dem Sprachunterricht helfen wir unseren Schützlingen – wenn irgendwie möglich – auch auf anderen Gebieten: Behördengänge, Papierkram, Jobcenter, Einkaufen, Arztbesuche, … Das ist für einen Fremden ja kaum alleine zu schaffen.

Auch einige unserer Alltäglichkeiten stellen unsere neuen Nachbarn auf eine harte Probe: So musste beispielsweise ein junger Mann akzeptieren, dass ich ihn nicht alleine ins Freibad mitnehme, sondern natürlich auch seine Frau und seine Kinder. Ein Unding in Afghanistan. Am Ende hatten wir alle einen tollen Tag und viele neue Erfahrungen gesammelt.

Was findest du an der Arbeit besonders schön?

Zeichnung eines arabischen JungenDie Entwicklungen der Kinder miterleben zu dürfen ist eines meiner persönlichen Highlights. Wie schnell und scheinbar leicht sie die Sprache lernen und sich dafür begeistern können. Und wie unkompliziert sie sich in die neue Umgebung einfügen. Auch das Vertrauen, das ich von den Erwachsenen und den Kindern geschenkt bekomme, schätze ich sehr. Neulich durfte ich einen 5-jährigen Jungen zu einer Zahnoperation begleiten. Obwohl der Junge fürchterliche Angst hatte, konnte ich ihn beruhigen, und er hat jetzt wieder ein funktionierendes Gebiss und kann wieder richtig essen und lachen.

Außerdem ist es ein äußerst schönes Gefühl, zu erleben, dass unsere „Schüler“ inzwischen einfachere Unterhaltungen in Deutsch führen können, z. B. beim Einkaufen, mit Nachbarn oder auch mit uns. Und dass sie zusehends gut zurechtkommen in ihrem neuen, ungewohnten Umfeld – obwohl viele von ihnen zusätzlich traumatische Erlebnisse zu verarbeiten haben.

Wie kann man sich die Wohnsituation der Asylbewerber hier vorstellen?

Die Flüchtlinge, die ich mitbetreue, wohnen in dezentralen Unterkünften in Altenkunstadt. Meist sind das Einfamilienhäuser, in denen pro Familie ein Zimmer zur Verfügung steht. Die Küche und das Bad werden gemeinschaftlich genutzt. Erst nachdem die Aufenthaltsgenehmigung erteilt wurde, dürfen sich die Familien eigene Wohnungen suchen. Da einige Vermieter, trotz der sicheren Mieteinkünfte, keine Migranten in ihren Wohnungen haben wollen, wird die Wohnungssuche nicht selten zu einer Herkulesaufgabe für die Betroffenen und uns Betreuer.

Was fällt den Asylbewerber denn hier am schwersten und was können sie am wenigsten verstehen?

Am schwierigsten ist hier für sie neben der Sprache das ungewohnte Essen und natürlich der Behördenmarathon. Außerdem vermissen sie ihre Familien. Am wenigsten verstehen sie das Phänomen der Kleinfamilien in Deutschland. Das ist ihnen total fremd. Mehrere Generationen und Familien unter einem Dach sind in ihren Herkunftsländern der Normalfall.

Was können wir tun, damit sich die Menschen hier wohl- und willkommen fühlen?

Haende formen ein HerzWir sollten einfach tolerant sein. Sie sind anders, wir auch. Wir können Asylbewerber in der Nachbarschaft einfach als Nachbarn begrüßen und auch mal ein Wort mit ihnen wechseln, Interesse zeigen an ihrer Situation. Einfach mal da sein füreinander und dem anderen bei Bedarf aushelfen, wenn man kann. Vielleicht lädt man die neuen Nachbarn mal zu sich ein, besucht sie zuhause oder nimmt sie mit auf eine Kerwa oder einen Ausflug. Nur so kann die Integration, die wir uns alle wünschen, funktionieren, nur durch unser und euer Engagement: Miteinander sprechen, sich gegenseitig unterstützen und im Notfall da sein für einander.

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