Der BAUR-Kundin über die Schulter schauen

Iris Birger aus dem E-Commerce bei BAUR gibt Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, heute im Interview exklusive Einblicke in ihre Arbeit im User Centered Design.

Was steht auf Ihrer Visitenkarte?
Auf meiner Visitenkarte steht unter meinem Namen „Projektleiterin User Centered Design“.

Wie ist Ihr Werdegang?
Ich habe Medientechnik an der TU Ilmenau studiert und mich auf das Thema Software Usability spezialisiert. Nach meinem Studium war ich vorwiegend in der Automobilbranche tätig, u.a. auch ein halbes Jahr in China. Ich wollte letztendlich aber auch eine andere Branche kennenlernen. Die Entscheidung für das E-Commerce fiel mir leicht, denn hier sind die Produktentwicklungszyklen im Vergleich zur Automobilindustrie sehr kurz und man ist viel näher am Endnutzer. Zu BAUR bin ich gekommen, da ich aus privaten Gründen gern nach Oberfranken wollte.

Welche Aufgaben hat das User Centered Design bei BAUR?
Zum einen optimieren wir die Usability, d.h. die Benutzerfreundlichkeit der Onlineshops. Zum anderen beschäftigen wir uns mit der sog. User Experience. Der Kunde soll nicht nur den Onlineshop einfach bedienen können, sondern auch Spaß daran haben und sich inspiriert fühlen. Darüber hinaus ist eines unserer großen Ziele die Steigerung der Conversion Rate. Hier beschäftigen wir uns mit der Frage was zu tun ist, damit die Besucher der Website auch zu zufriedenen Käufern werden.
Um alle diese Aufgaben erfüllen zu können, setzen wir vielfältige qualitative und quantitative Tests ein. Zu den quantitativen Tests zählen zum Beispiel AB-Tests, bei denen eine Seite (z.B. eine Artikeldetailseite) gegen eine alternative getestet wird. Auch multivariate Tests werden eingesetzt. Hierbei wird ein bestimmter Seitentyp mit variierenden Kombinationen erstellt, die getestet und verglichen werden. Zum Beispiel werden da unterschiedliche Bilder, Layouts oder Menüstrukturen kombiniert, um den „optimalen Seitentyp“ zu gestalten. Zu den qualitativen Tests gehören z.B. das Usability Labor (kurz Uselab) und der Kundenblog. Der Kundenblog ist ein geschlossener Blog, mit dem wir Vorstudien realisieren. Zum Beispiel schicken wir die Blogmitglieder auf Onlineshop Seiten und befragen sie danach zu ihrer Meinung darüber. Darüber hinaus können wir mit dieser Methodik die Kunden bereits in sehr frühen, innovativen Konzeptphasen einbinden.

Uselab2

Was ist ein Uselab?
In unserem Uselab prüfen wir, ob es bei der Nutzung des Onlineshops zu Bedien-, Verständnis- oder Wahrnehmungsproblemen kommt. Hierzu schauen wir den Personen, die wir zu einem Uselab eingeladen haben, über die Schulter, wie sie mit der Website umgehen. Dieser Beobachtungsprozess wird meist von einem Interview begleitet. Auch Eye Tracking Studien können wir hier durchführen. Dabei werden die Blickbewegungen durch Kameras innerhalb des Monitors gemessen, während sich die Uselab-Teilnehmer einen Onlineshop ansehen.

Was zeichnet die Arbeit im User Centered Design aus?
Dass die Arbeit hier so vielfältig ist. Im User Centered Design gibt es einen riesigen Methodenbaukasten, um Lösungen für Fragestellungen rund um den Onlineshop zu finden. Für jedes Projekt sucht man daher die passende Kombination aus dem Methodenarsenal.
Die Vielfältigkeit zeigt sich auch im Team. Ich selbst bin Dipl.-Ing. Medientechnik und meine Kollegen kommen aus den Bereichen BWL, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspsychologie oder Soziologie. So viel Interdisziplinarität ist wichtig, denn nur so können wir uns gegenseitig ergänzen und für eine optimale Ausschöpfung sorgen.

Was ist die größte Herausforderung an der Arbeit?
Die Vielfältigkeit im Team, die ich gerade angesprochen habe, bringt auch Herausforderungen mit sich. Man muss sehr interdisziplinär denken und alles aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Aus der Sicht der Techniker muss man sich fragen, ob etwas auch technisch umsetzbar ist und ein Designer hat wieder eine andere Sichtweise als ein/e Kollege/in aus dem Marketing oder dem Einkauf. Letztendlich geht es um eine Win-Win-Situation: Auf der einen Seite ist die Kundenzufriedenheit wichtig, auf der anderen Seite müssen auch die Zahlen stimmen. Das ist eine Herausforderung, die es durchaus Spaß macht zu bewältigen.

Was sind die schönsten Momente in deiner Arbeit?
Natürlich ist es schön, wenn ein neues Projekt beginnt. Aber auch der Abschluss eines Projektes ist immer wieder ein Highlight. Wenn man auf alle Fragen eine Antwort gefunden hat, ist das ein sehr gutes Gefühl. Zum Beispiel war das der Fall, als wir in einem Projekt die Print-Kataloge im Uselab überprüft haben. Daran waren viele Kollegen aus dem Haus beteiligt und es war eine völlig neue und sehr spannende Erfahrung, ein Uselab auf die Offlinewelt zu übertragen.

User Centered Design bei BAUR in einem Wort zusammengefasst?
Kundenorientierung.

Etwas, dass Sie Ihren Kollegen schon immer mal sagen wollten?
Es ist sehr bereichernd in einem so interdisziplinär aufgestellten Team zu arbeiten. Liebe Kollegen, danke für die tolle Zusammenarbeit!

Was sind Trends in der Usability, die Sie in Ihrer Arbeit bemerken?
Den Trend zu geräteübergreifenden Konzepten merken wir besonders. Onlineshopping funktioniert nicht mehr nur über PC bzw. Notebook, sondern mittlerweile kommen auch verstärkt Smartphone und Tablet PC zum Einsatz. Wichtig ist hier Usability, User Experience und Conversion Rate nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern geräteübergreifend. Ein Kunde informiert sich zum Beispiel in der Mittagspause über sein Smartphone und kauft nach Feierabend über seinen heimischen PC oder auf der Couch über das iPad.
Ein anderer Trend ist das Remote Usability Testing. Das ist eine Form der Onlinemarktforschung, die Nutzer nicht direkt in einem Uselab sondern am heimischen PC erreicht. Man kann dadurch große Massen an Nutzern erzielen, zeit- und kostenoptimiert arbeiten, aber leider nicht situativ auf einzelne Aussagen reagieren.

Was ist BAUR für Sie?
Ein toller Arbeitgeber! Mir wird hier Arbeit geboten, die mich fachlich fordert, aber auch fördert. Ich habe eine hohe Eigenverantwortung, viele Freiheiten und kann mich fachlich austoben.

Vielen Dank für das Gespräch!

 
Sie sind neugierig geworden? Einen Artikel von der Zeitung „Fränkischer Tag“ finden sie hier:

http://www.infranken.de/regional/lichtenfels/Die-Suche-nach-der-heissen-Stelle;art220,239390

Auf unserer Jobs-Seite finden Sie darüber hinaus Angebote für Praktika im E-Commerce.

Bild 1: Iris Birger im Job
Bild 2: Iris Birger mit einer Testperson im Usability Labor

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