„Der Handel braucht Online-Kaufleute“

Ausbildungsleiter Max-Josef WeismeierNeue Wege gehen – wir in der BAUR-Gruppe sind uns bewusst, dass Handel nun mal Wandel ist und genau aus diesem Grund möchten wir gerne ein eigenes Ausbildungsprofil und Berufsbild für Online-Kaufleute erschaffen.
In einem kurzen Interview mit Ausbildungsleiter Max-Josef Weismeier erklärt er, warum die Ausbildungsinhalte angepasst werden müssen.
Lesen Sie selbst.

 

Herr Weismeier, warum fordern Sie ein eigenes Ausbildungsprofil und Berufsbild für Online-Kaufleute?
Wir müssen schon seit Jahren feststellen, dass sich Ausbildungsziele aus den Ausbildungsordnungen und Inhalte der schulischen Rahmenlehrpläne immer weniger mit den Aufgaben im Online-Handelsbereich decken. Das betrifft vor allem die eingesetzten Azubis in den Marktbereichen, in denen Online-Handel im engeren Sinne betrieben wird.

Woran hapert es bei den jetzigen Ausbildungsinhalten denn genau? Können Sie Beispiele nennen?
Wir wollen unserem Nachwuchs in der Ausbildung vermitteln, wie ein Online-Shop funktioniert. Es stellen sich im Grunde die gleichen Fragen wie für den stationären Einzelhandel. Was möchte ich verkaufen, wie möchte ich meinen Shop aufbauen, wie bringe ich die Kunden dazu einzukaufen, wie kommuniziere ich mit den Kunden oder welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen sind für mich wichtig. Der große Unterschied zum Stationärhandel liegt in der Komplexität der Aufgaben.
Nehmen wir als konkretes Beispiel den Kassiervorgang. Im Stationärhandel wird der Kunde, der mit einem Artikel an der Kasse ansteht, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit den Artikel auch tatsächlich kaufen. Hier geht es für die Kassiererin darum, nochmal besonders freundlich zu sein, dem Kunden nochmal ein gutes Gefühl für seinen Verkauf auf den Weg mitzugeben, dabei aber auch exakt, diskret und auch zügig zu agieren, da vielleicht schon die nächsten Kunden ungeduldig an der Kasse anstehen. In einem Online-Shop ist es keineswegs sicher, ob der Kunde kauft, wenn er nur noch einen Klick vom Kasse-Button entfernt ist. Hier ist es schon im Vorfeld notwendig, den Kunden vor allem Sicherheit und Klarheit zu seinem geplanten Kauf zu vermitteln. Das heißt, um den Kunden nicht am Ende noch zu verlieren, muss jeder einzelne Bestellschritt bis ins kleinste Detail geplant und ständig überprüft werden. Darüber hinaus müssen Online-Händler weit mehr Bezahlmöglichkeiten als nur Bar- oder Kartenzahlung anbieten und darüber hinaus für klare Datensicherheit und Datenschutz sorgen.

Wie müsste das neue Ausbildungsprofil Ihrer Meinung nach idealerweise inhaltlich wie strukturell aufgebaut sein?
Wir stellen uns vor, dass Lernfelder wie Shopaufbau, Shopbewirtschaftung, Kundenservice und Kundendialog, (Online-) Marketing, Prozessketten, Bezahlsysteme, betriebswirtschaftliche Kennzahlen, Datenschutz, Wirtschaftsethik sowie IT-Grundlagen unbedingt zu den Grundlagen für ein solches Berufsbild gehören. Von der Struktur her können wir uns vorstellen, dass man nach zwei Jahren Basisausbildung in alternativen Vertiefungsqualifikationen eine bestimmte Stoßrichtung einschlagen kann. Wir schlagen hierfür Felder wie Marketing, E-Commerce, Shopmanagement, Kundendialog oder Multichannel-Vertrieb vor.

Bislang scheinen die Verbände noch zu zögern, sich für Ihre Initiative zu erwärmen. Woran scheitert Ihr Vorstoß momentAusbildung bei BAUR Facebookseite an?
Viele halten den Online-Handel für ein rein akademisches Arbeitsmarktumfeld. Wir stellen seit Jahren hingegen fest, dass unsere Azubis erstens riesig Spaß haben in einem solchen Umfeld arbeiten zu können und zweitens mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit an Online-Themen ran gehen als beispielsweise unsere Generation der Baby Boomer, die vorwiegend an den entscheidenden Schalthebeln sitzen. Vielleicht steht auch das Konkurrenzdenken Stationär- vs. Onlinehandel zu sehr im Vordergrund, wobei der Stationärhandel am meisten von gut ausgebildeten Online-Kaufleuten profitieren würde, da hier noch ein großes Wachstumspotenzial bei der Verknüpfung von Stationär- und Online-Themen insbesondere im Mobilebereich vorhanden ist.
Welche Personalmarketing- und Recruitingmaßnahmen setzen Sie noch ein, um ausreichend qualifizierte Fachkräfte für Ihre E-Commerce-Teams zu gewinnen?
Im Ausbildungsbereich stellen wir trotz aller Social Media-Möglichkeiten fest, dass der persönliche Kontakt zu Schülern des regionalen Umfelds auf Ausbildungsmessen, bei Betriebsbesuchen, Berufsinformationstagen an Schulen, Bewerbertrainings oder durch Praktika der qualitativ wertvollste ist. Hier versuchen wir sehr offen zu sein, wir präsentieren uns und unterstreichen, wer wir sind und dies sowohl für Eltern und Lehrer, aber insbesondere auch für die Schüler. Die Recruitingmaßnahmen im professionellen E-Commerce-Umfeld unterscheiden sich da natürlich erheblich. Hier strecken wir unsere Fühler wesentlich weiter aus. Tatsächlich gibt es hier die Tendenz zu einer verstärkten Nutzung von Social Media-Kanälen. Xing und Linkedin sind dabei die wichtigsten bei der proaktiven Kandidatensuche und -ansprache.

 

 

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