Japanischer Einfluss in der BAUR Logistik: KAIZEN – die Herzensangelegenheit von Rudi Schüll

Der Begriff Kaizen kommt aus dem Japanischen. Er setzt sich zusammen aus Kai = Veränderung, Wandel; Zen = zum Besseren. Damit ist die permanente Verbesserung von Tätigkeiten, Abläufen, Verfahren oder Produkten durch alle Mitarbeiter eines Unternehmens gemeint.

„Veränderung zum Guten“ – das wollen wir natürlich auch! In der BAUR Logistik gibt es dafür einen KAIZEN-Beauftragten, der sich dem Thema professionell annimmt.

Lieber Rudi, du bist KAIZEN-Beauftragter in der BAUR Logistik. Wie kam es dazu?

Im Jahr 2000 habe ich bei BAUR in der Packstückaufsortierung begonnen. Relativ schnell bin ich stellvertretender Stellenleiter und dann Stellenleiter geworden. Mein Weg ging dann linear über den stellvertretenden Schichtleiter hin zum Schichtleiter weiter.Rudi Schüll Ermöglicht haben mir diesen Werdegang auch die Weiterbildungsmaßnahmen, die mir bei BAUR ermöglicht wurden und die ich nebenher absolviert habe: die Ausbildung zum Fachlageristen, den Facharbeiter für Lagerlogistik und die Weiterbildung zum Lagerleiter. Mein heutiger Job besteht aus Sonderaufgaben. Allen voran ist hier natürlich die Verantwortung für KAIZEN zu nennen. Daneben beschäftige ich mich mit Themen der Arbeitssicherheit und Gefährdungsbeurteilungen, unterstütze bei der Azubibetreuung und übernehme die Einführung neuer Mitarbeiter. Die meiste Zeit investiere ich aber tatsächlich in das Thema KAIZEN.

KAIZEN ist für mich noch ein bisschen abstrakt. Wie wird das denn konkret umgesetzt?

KAIZEN bedeutet „Verbesserung zum Guten“. Wir wollen die Arbeitsqualität verbessern und gleichzeitig das Arbeiten für die Mitarbeiter so leicht und angenehm wie nur möglich machen, zielorientiert arbeiten und mitarbeiterorientierte Führung umsetzen. Bei BAUR ist es seit 2013 ein Thema. Angefangen haben wir ganz konkret damit, Stellflächen zu schaffen und „Dreckecken“ zu beseitigen.  Das hört sich jetzt vielleicht banal an, hat aber sofort Wirkung gezeigt: man ist plötzlich viel schneller durch die Logistik gelaufen und heller war es auch. Ein aktuelles Beispiel ist die Anbringung von Getränkehaltern an den Kommissionierwägen. Das erspart den Mitarbeitern sehr viel Zeit und Geduld beim Suchen ihrer Flaschen, die vorher überall verstreut waren. Mein bisher größtes Projekt war die Anschaffung von neuen Kommissionierwägen. Die alten haben aufgrund einer Fehlkonstruktion zu einigen Arbeitsunfällen geführt. Gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitern haben wir Schritt für Schritt einen neuen Wagen entwickelt. Ein langwieriges und auch teures Projekt – schlussendlich wurden 240 neue Wägen angeschafft – aber es hat sich gelohnt: Seitdem haben wir keinen Arbeitsunfall aufgrund der Wägen mehr verzeichnet.

Vorher - Nachher: Einführung eines Kommissionierboards

Vorher – Nachher: Einführung eines Kommissionierboards

Ordnung und Sauberkeit ist ein Thema von KAIZEN. Ein leidiges Thema in der Logistik, dass alle Mitarbeiter in die Pflicht nimmt – wie stellt ihr die Einhaltung sicher?

Monatliche Audits in allen Abteilungen sind eines unserer wichtigsten Werkzeuge. Dabei prüfen wir vor Ort anhand unserer Listen, ob die Vorgaben zu Ordnung und Sauberkeit auch eingehalten werden: Werden die Reinigungslisten richtig geführt? Sind alle defekten Arbeitsmittel beseitigt? Und vieles mehr. Natürlich stoßen wir da nicht immer auf das größte Verständnis. Einige sehen es auch als Bestrafung oder Mehrarbeit an. Viele Mitarbeiter beteiligen sich aber auch ganz aktiv und bringen Verbesserungsvorschläge und Anregungen ein – und das ist auch wichtig.

Was konnte mit KAIZEN schon erreicht werden? Kann man Verbesserungen spüren oder sogar messen?

Insgesamt können wir – seit wir KAIZEN systematisch betreiben – enorme Verbesserungen feststellen. Unsere Produktivität ist definitiv gestiegen und dass kann man auch messen. Das wichtigste ist aber, das sich die Mitarbeiter an vielen Stellen sicherer bei der Arbeit fühlen. Das Thema wird oft unterschätzt. Das finde ich persönlich sehr schade – es kann so viel dadurch erreicht werden. Auch bei uns könnte man noch viel mehr machen.

Bist du als KAIZEN-Beauftragter ein Einzelkämpfer?

Nein. So ist das nicht. Zum einen habe ich noch eine nette Kollegin, die mich in den Themen unterstützt und zum anderen arbeite ich auch eng mit dem Qualitätsmanagement zusammen. Aber auch andere Abteilungen, wie die Schreinerei oder die Schlosserei, die ich ja oft brauche um Ideen umzusetzen, ziehen da mit mir an einem Strang und stellen ihre Arbeitskraft schnell und unkompliziert für unsere Projekte zur Verfügung. KAIZEN kann nur funktionieren, wenn alle Mitarbeiter mitmachen.

Deine Begeisterung zu dem Thema kannst du ja kaum verbergen. Kann man sagen, dass du in deinem Traumjob angekommen bist?

Ja. Kein Tag ist wie der Andere: manche Projekte sind längerfristig andere ganz kurz. Ich bin ständig unterwegs und damit viel im Kontakt mit den Mitarbeitern. Das schöne ist auch, dass die Leute mittlerweile ganz gezielt auf mich zukommen und Ideen einbringen aber auch um sich für die eine oder andere Verbesserung zu bedanken. Das ist mein größter Ansporn. KAIZEN ist nicht nur eine Aufgabe für mich, es ist eine Herzensangelegenheit.

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